Posted On 1. Juli 2013 By In Einsätze von Piker With 1966 Views

Flüchtiger Dönerspieß

Frühdienst, Samstag Morgen, 08:00 Uhr: Die ganze Dienstgruppe sitzt beim Frühstück zusammen, als das Telefon des Wachhabenden klingelt:
„Hallo ist dort die Polizei?“
„Ja, richtig“
„Ja, also ich rufe an, weil hier ein Dönerspieß auf dem Bürgersteig liegt“ 
„Ein Dönerspieß auf dem Bürgersteig?“
„Ja, genau! Mit Fleisch dran.“ 

 

Leicht verwundert und misstrauisch wird meinem Streifenpartner und mir der Einsatz übergeben. Auch wir können unsere Ungläubigkeit kaum verbergen:
„Mal abwarten, was es wirklich ist. Wahrscheinlich hat da jemand heute Nacht seinen Döner verloren.“
„Wie immer!“ warf ein Kollege ein.

Kurze Zeit später war lautes Gelächter aus unserem Streifenwagen zu hören:
„Dort liegt echt ein Dönerspieß, ich glaub es nicht!“
„Und der parkt sogar noch falsch! Guck mal auf das Schild, ich sehe keine Parkschein am Döner“.

[nggallery id=6]Auch beim Aussteigen konnten wir uns das Lachen nicht verkneifen. Die noch vor Ort befindliche Mitteilerin beäugte uns inzwischen kritisch:

„Ist das nicht unglaublich? Diese Lebensmittelverschwendung! Woanders hungern Leute und Sie lachen! Ein Verbrechen ist so etwas!“ 

Leicht verärgert zog die Dame mittleren alters ohne uns eines weiteren Blickes zu würdigen davon.

„Recht hat sie, aber es sieht trotzdem genial aus…“
„Was machen wir jetzt mit unserem Falschparker?“
„Abschleppen und auf der Wache grillen, ist doch gefroren.“ Gab ich mit einem leichten grinsen von mir..
„Das wäre was  …“

Ein hilfsbereiter Mitbürger stellte uns glücklicherweise eine passende Tüte für unseren
30 kg schweren fleischigen Freund zur Verfügung.

Während wir das gute Stück, natürlich ordnungsgemäß mit Sicherheitsgurt , auf der Rückbank platzierten, kam ein aufgebrachter Mann auf uns zu:
„Mein Dönerspieß wurde geklaut! Bitte helfen sie mir!“
„Wie sah er denn aus?“ fragte mein Kollege mit einem breiten Grinsen.
„Ähm…wie ein Fleischspieß…braun….“ antwortete der Mann mit verständnislosem Blick
„Irgendwelche Besonderheiten? Bissspuren z. B.?“
„Nein. Was meinen sie damit? Ob das Gammelfleisch war?
„Nein. So war das nicht gemeint. Könnte es dieser hier sein?“

Der Mann war zwar sichtlich erleichtert, dass sein entlaufender Spieß wieder aufgefunden wurde, allerdings hielt die Freude nicht lange…

„Muss ich den jetzt wirklich entsorgen?“
„Natürlich nicht, privat mit ihrer Familie können Sie den gerne noch essen.“

Langsam dämmerte es auch dem „Herrchen“ des Spießes: Das Fleisch sollte man eventuell nicht mehr essen 😉

Letztendes stellte sich übrigens heraus, dass das saftige Fleisch Opfer eines Einbruchdiebstahls geworden war 😉

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Ich bin Polizeibeamter in einem schönen Bundesland hier in Deutschland und habe mein Studium bei der Polizei wenigen Jahren erfolgreich abgeschlossen. Seitdem bin ich im Wach-und Wechseldienst (auch bekannt als Streifendienst) für die teilweise kuriosen Anliegen der Mitbürger da :) Vielleicht noch kurz zu der Entstehung meines "seltsamen" Nicknames: Bei dem Ausfüllen eines Formulars im Dienst ist mir ein folgeschwerer Rechtschreibfehler unterlaufen. Anstatt im Mängelzettel den defekten "Peiker" (unser Mikrofon im Streifenwagen sozusagen), hatte ich "Piker" geschrieben. Nachdem dieser Zettel von ein paar Kollegen entdeckt worden war, hatte sich der Fehler innerhalb kürzester Zeit wie ein Lauffeuer in der ganzen Wache verbreitet. Seitdem werde ich von vielen Kollegen nur noch mit meinem neuen Namen - "Piker" - angesprochen.