Posted On 24. Juni 2013 By In Einsätze von Piker With 1561 Views

Straßensperrung – na und?!

Fast täglich unterstützen wir die Feuerwehr bei ihren Großeinsätzen. Dabei übernehmen wir hauptsächlich verkehrsregelnde Maßnahmen, um den Kollegen die notwendige Bewegungsfreiheit zu gewährleisten.

Und so stand ich in einer Nebenstraße direkt an einer Einmündung, um den Verkehr abzuleiten. Durch Mütze, Warnweste und Kelle war ich eigentlich nicht zu übersehen und inzwischen schon zum Highlight im links von mir gelegenen Kindergarten geworden:
„Guck mal Polizei“; „Der hat ne Pistole“; „Dürfen wir dahin?“ (Kind zu einer Erzieherin). Wohl 3/4 der Kinder hatten sich am Außenzaun aufgereiht und beobachteten mich akribisch.

Die ersten Minuten verliefen, bis auf ein paar Nachfragen von Anwohnern, reibungslos, bis plötzlich ein alter VW Passat in rot mit unverminderter Geschwindigkeit auf mich zuhielt.

– Na gut, halte ich die Kelle eben noch höher –

Keine Chance, die ältere Dame (85 Jahre) hielt zielstrebig auf mich zu und schien nicht mal den Ansatz einer Reaktion zu zeigen. Mit einem Satz sprang ich ein Stück zur Seite.

– Richtige Entscheidung, sonst hätte ich wohl samt leuchtender Warnweste und Kelle  unter dem Fahrzeug gelegen –

 Während die Fahrzeugfront mich bereits passiert hatte, konnte ich ganz knapp noch meine flache Hand auf ihre Windschutzscheibe niederschmettern lassen. Und welche Wunder? – Etwas verzögert brachte die zielstrebige Dame ihr Fahrzeug zum Stehen:

Ja bitte, was möchten Sie?
Ich (leicht verärgert): Haben Sie mich nicht gesehen? Sie haben mich gerade fast umgefahren! Das ist doch wohl nicht ihr ernst?
Sie (total erstaunt): Na klar habe ich Sie gesehen, aber ich muss da vorne parken.

– Ich gebe zu, mir fehlten kurzzeitig die Worte.. –

Ich (sichtlich verständnislos): Und deshalb kann man die Weisungen eines Polizisten ignorieren und ihn umfahren?
Sie: Ja, ich habe Sie ja nicht umgefahren und will ja auch nur auf meinen Parkplatz.

– Einsicht? – negativ –

Ich: Führerschein und Fahrzeugschein hätte ich jetzt gerne von Ihnen gesehen. Danach fahren Sie rückwärts und stellen ihr Fahrzeug dort vorne ab!
Sie: Nein, ich parke immer dort hinten!
Ich: Heute nicht, wie Sie sehen dürften, parkt dort heute ( -abgesehen von den ganzen anderen großen roten Fahrzeugen mit Blaulicht- ) ein Rettungswagen..
Sie: Das ist mein Parkplatz! Der kann sich da doch nicht einfach hinstellen?
Ich: Gute Frau, Sie fahren jetzt bitte rückwärts und stellen ihr Fahrzeug dort ab.
Sie: Aber…
Ich: Kein aber, die Straße ist auch für SIE gesperrt. Normalerweise müssten Sie für ihre Aktion schon jetzt ein Verwarngeld zahlen..

Widerwillig besann sich die gute Dame dann doch. Allerdings verwunderte mich, dass sie nicht verlangt hatte, den Rettungswagen abzuschleppen. Es war ja schließlich IHR Parkplatz 🙂

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Ich bin Polizeibeamter in einem schönen Bundesland hier in Deutschland und habe mein Studium bei der Polizei wenigen Jahren erfolgreich abgeschlossen. Seitdem bin ich im Wach-und Wechseldienst (auch bekannt als Streifendienst) für die teilweise kuriosen Anliegen der Mitbürger da :) Vielleicht noch kurz zu der Entstehung meines "seltsamen" Nicknames: Bei dem Ausfüllen eines Formulars im Dienst ist mir ein folgeschwerer Rechtschreibfehler unterlaufen. Anstatt im Mängelzettel den defekten "Peiker" (unser Mikrofon im Streifenwagen sozusagen), hatte ich "Piker" geschrieben. Nachdem dieser Zettel von ein paar Kollegen entdeckt worden war, hatte sich der Fehler innerhalb kürzester Zeit wie ein Lauffeuer in der ganzen Wache verbreitet. Seitdem werde ich von vielen Kollegen nur noch mit meinem neuen Namen - "Piker" - angesprochen.